Käthe Kollwitz

Zeugin ihrer Zeit - Mahnerin für die Gegenwart

Ausstellung vom 13. Juni bis 9. August 2015
Christuskirche Forchheim

Die Ernst Barlach Museumsgesellschaft Hamburg zeigt in Kooperation mit der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Christuskirche Forchheim aus Anlass des 70. Todesjahres von Käthe Kollwitz Grafiken und Plastiken der Künstlerin.
Schirmherr: Prof. Dr. Wolfgang Huber, früherer Ratsvorsitzender der EKD.

Wer war Käthe Kollwitz?
Käthe Kollwitz (1867–1945) gehört zu den bedeutendsten deutschen Künstlerinnen. So ist zum Beispiel die zentrale Gedenkstätte unseres Landes zur Erinnerung an die Toten von Krieg und Gewaltherrschaft in Berlin nach einem Werk von Käthe Kollwitz gestaltet worden. Wichtige Themen ihres Werkes sind die Mahnung zum Frieden – sie hatte einen Sohn im Ersten Weltkrieg verloren -, Leid und soziale Not von Menschen sowie das Ringen des Menschen mit dem Tod. Auch wenn Käthe Kollwitz ihr Werk nicht als christliche Verkündigung verstand, so ist doch der Einfluss christlichen Glaubens auf ihr Werk – ihr Großvater war Pfarrer einer freien Gemeinde – vielen ihrer Werke anzumerken.

1893 wird Käthe Kollwitz durch den Besuch der Uraufführung von Gerhart Hauptmanns "Die Weber" zu ihrem ersten grafischen Zyklus "Ein  Weberaufstand" angeregt, mit dem ihr der künstlerische Durchbruch sofort gelingt. Sie ist fortan regelmäßig auf großen Berliner Ausstellungen zeitgenössischer Kunst mit mehreren Werken vertreten. 1902-1908 arbeitet sie an der Folge "Bauernkrleg"; 1907-1909 entstehen zahlreiche Zeichnungen für die satirische Zeitschrlft "Simplicissimus". Wenige Monate, nachdem er sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatte, fällt Käthe Kollwitz' Sohn Peter in Flandern. Käthe Kollwitz  wird diesen Tod nie verwinden.

Wie viele junge deutsche Künstler und Intellektuelle verspricht sich Käthe Kollwitz von den revolutionären Ereignissen 1918/19  eine entschieden bessere Zukunft; noch erscheint ihnen die russische Revolution als ein leuchtedes Vorbild. Ein großer Teil der damals jungen Künstler schlägt sich deshalb auf die Seite der Kommunisten.

Käthe Kollwitz entwirft in den 20er Jahren eine Reihe von grafischen Blättern und Plakaten  für politische und humanitäre Einrichtungen. Sie setzt sich mit der Internationalen Arbeiterhilfe für die Hungernden in Russland, mit dem Volksbund zum Schutz der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen für die Gefangenen, mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund und mit der sozialistischen Arbeiterbewegung für die Verhinderung eines neuen Krieges, mit der Kommunistischen Partel für die Abschaffung des Abtreibungsverbots ein und sie beteiligt sich zusammen mit anderen prominenten deutschen Künstlern und Intellektuellen an Aufrufen zur Verhinderung antidemokratischer Maßnahmen.

Mit ihrer Druckgrafik, mit Ausstellungen in Warenhäusern, mit Veröffentlichungen in weitverbreiteten Publikationsorganen gelingt es ihr, über den Kunstbetrieb hinaus die Adressaten ihrer Appelle zu erreichen und zur populären Künstlerin zu werden.

Die technischen Mittel und die künstlerische Phantasie stehen bei Käthe Kollwitz im Dienst der Anklage, der Mahnung, des Aufrufs: "Ich fühlte, daß ich mich doch nicht entziehen dürfte der Aufgabe, Anwalt zu sein. Ich soll das Leiden der Menschen, das nie ein Ende nimmt, das jetzt bergegroß ist, aussprechen. Ich habe den Auftrag, aber er ist gar nicht leicht zu erfüllen. Man sagt, daß man sich durch die Arbeit erleichtert. Aber ist das eine Erleichterung, wenn trotz meines Plakates täglich Menschen in Wien Hungers sterben?" Und an anderer Stelle ihres Tagebuchs fügt Käthe Kollwitz hinzu: "Freilich reine Kunst... ist meine nicht. Aber Kunst doch. Ich bin einverstanden damit, daß meine Kunst Zwecke hat. lch will wirken in dieser Zelt, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind."

Käthe Kollwitz' entscheidender und unverwechselbarer Beitrag zur deutschen Kunst besteht darin, dass es ihr, der Künstlerin bürgerlicher Herkunft, gelang, tief empfundenes  soziales Engagement und daraus resultierende Aufrufe zur Verbesserung misslicher Zustände überzeugend in eine weitgehend populäre und ganz eigene Bildsprache von großer Eindringlichkeit umzusetzen. "Nie habe ich meine Arbeit kalt gemacht, sondern immer gewissermaßen mit meinem Blut. Das müssen die, die sie sehen, spüren" und das können die, die sie heute sehen, auch noch spüren. Deshalb ist das Werk von Käthe Kollwitz immer noch so hochaktuell.

ln der Ausstellung: "Käthe Kollwitz - Zeugin ihrer Zeit - Mahnerin für die Gegenwart" in der Christuskirche Forchheim werden etwa 70 grafische und plastische Werke zu sehen sein.

Wir danken unseren Unterstützern:
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